Donnerstag, November 17, 2005

Post-Karaoke

Heute leider unpässlich, aber dennoch schönen Tag mit Meetings bei Brother verbracht.
Gestern Abendessen bis die Schwarte kracht, mit den Designern und Managern von Brother.
Die hatten extra Würstchen im Programm, die denken, wir sterben, wenn wir ohne Wurst sind. Danach zusammen ins Karaoke-Haus, nur Bar kann man nicht sagen, weil es sich um ein ganzes Haus handelt, auf jedem Stockwerk unterschiedlich ausgestattete Kabinen mit Schwarzlicht, Discolaser, Sitzgelegenheiten, Großbildleinwand und natürlich dicken Telefonbüchern, in denen die Stücke verzeichnet sind, die es zur Auswahl gibt. Die Japaner können ja aus dem Stand heraus dann Frohsinn zelebrieren, wir Deutschen blätterten lange verhalten in den Listen. AAAABEEER:
Wenn die Japaner dann pünktlich nach Plan aufhören, fängt es bei uns gerade erst an. Bis drei Uhr nachts einen riesenspaß gehabt mit sogenannter "Trink-Flatrate"- aua. Die Kellner, die per Telefon in die vollklimatisierten Wahnsinnskammern bestellt werden, um die großen Bierfässer abzuliefern, müssen sich schon über uns Barbaren gewundert haben.

Auf jeden Fall endete der Abend mit einem begeisterten Chor der Studenten und uns, Mikros brauchten wir keine mehr, weil sowieso jeder mitgröhlte. Ein wunderbares Hobby, aber darauf muss man erstmal kommen.

Habe Heimweh nach meinen Lieben.
Morgen gehts nach Kyoto, dort erwartet uns ganz viel Programm, wer weiss, ob ich mich von dort aus auf diesem WEge melden kann.

Auf jeden Fall heute früh ins Bett.

Dienstag, November 15, 2005

Chiba am Dienstag







Alles ist wieder gut.
Nachdem ich gestern bis 3 Uhr nachts mit Arbeit beschäftigt war und um 7 wieder aufgestanden bin, ging es heute erstaunlich gut, anscheinend getragen von Glückshormonen:
Alles klappte heute ganz wunderbar, die Gastgeber hatten einen kleinen Snack vorbereitet, es waren um die 20 begeisterte Studenten da und auch die Professoren waren konzentriert. Mittags gingen wir gemeinsam in einer japanischen Kneipe essen, glücklich. Fähig zur Selbstkritik ohne Harakiri haben wir Deutschen natürlich sofort unsere Präsentation gekürzt und auch perfekt präsentiert, in nur 1 h 40 Minuten mit Aufbau. Auch die Japaner haben ein paar Projekte gezeigt, sogar ohne vor Scham im Boden zu versinken, die Frauen sehr selbstbewußt für hiesige Verhältnisse.



Chiba liegt quasi am östlichen Rand der Tokyo Bay und hat als Präfektur 5 millionen Einwohner.
Die Universität liegt direkt am Bahnhof, so dass wir nicht viel gesehen haben von der Stadt. Aber es ist eine kleine Stadt mit vielen Bäumen und etwas Wildwuchs. Irgendwie sind wir alle schon ausgehungert nach etwas Unordnung, nach etwas ziviliem Ungehorsam und zufällig gewachsenem Grün. Auch wohltuend: die Unis sind hier genauso wie in Deutschland: überall alter Tesa an den Wänden, Wandfarbe schmutzig, überall Sperrmüll und Aschenbecher. Studenten rennen wie unsere bei jeder Gelegenheit weg, eine rauchen. Hallo, sowas kennwa, sowas ist gut! Gruppenfoto!

Als Notiz hier noch: Im Zug die Einsicht über die unterschiedlichen Motive von "Systems Design" und ob wir das überhaupt leiden mögen (Nein und Ja), aber dazu später mal noch mehr.

Jetzt bin ich sehr müde. Habe den ganzen Tag auf hohen Schuhen Video gefilmt. Bilder sind blöderweise noch in der Kamera. Wir fallen hier ja kaum noch auf, so müde wie wir mit den Anzugmännern abends in der Bahn sitzen. Arbeit ist Arbeit, ob nun in Kassel, Tokyo, Oberammergau oder sonstwo. So.

Einen schönen Tag noch, ich werde heute früh ins Bett gehen. Morgen wieder früh raus mit dem Shinkansen nach Nagoya. Hotel mit Pool, ich komme.

Ganz lieb grüßt Birgit

Montag, November 14, 2005

Heute keine Bilder

S#ist spät und wieder Streß mit Geld!
Der Japaner, der uns hier betreut, baut nur Scheisse und wir sitzen drin.
Eigentlich unverschämt. Und sehr stressig.
Ich hatte den Preis der Zimmer hier gesehen und überschlug im Kopf: ist ja viel zu teuer! Jetzt glaubten alle, es wird schon OK gehen, denn der Japaner weiss ja, was Budget ist. Nee! Jetzt sitzen wir hier und müssen viel Bier trinken, weil der Mann uns fertig macht.
Zum Beispiel fährt er nie Bahn, ist über 50, kann also schon mal nix mit kryptischen Fahrkartenautomaten anfangen - und will aber für uns die Fahrten organisieren: Ich behaupte, wir kommen als nichtjapaner um einiges besser klar mit den Fahrkartenautomaten als er - damit er jetzt nicht sein Gesicht verliert, müssen wir alles vorher checken, um auch pünktlich bei unserer Präsentation zu sein - argh! Also zum bahnhof, gucken was es kostet, wann und wo. Dann mit Ihm morgen das gleiche Spiel wieder und immer Ihm den Vorrang lassen.

Ach. hätten wir nur alles selbst organisiert. Und unserem Finanzonkel läuft in Offenbach die Galle über, weil er seinen Studenten Vollpension versprochen hat.

Heute so viel erlebt, auch viel schönes: Flohmarkt mit vielen schönen bunten Kimonos, Massen auf der Straße, Elektronikwahnsinn, Rumirren auf der Suche nach dem Toystore und den schönen Schreibwarenladen. Schon viel Geld ausgegeben, geht allen so. Weihnachtsgeschenke oder schon frühere. Psychisch heute etwas ermattet, wegen der Gruppendynamik. Aber wenns chaotisch wird, laufe ich ja auf dem Höhepunkt der Krise zur Hochform auf - nur noch Augen zu und Augen zu.

domo arigato gozaimazu,
hier ists immer so spät wie zu Hause und eigentlich ARBEIT und Geldsorgen wie zu Hause.
Gehe ins Bett mit dem festen Vorsatz diesen Gesichtverlust-Quatsch nicht länger zu unterstützen.
Liebe Grüße
Birgit

Sonntag, November 13, 2005

Angekommen

Jetzt sind wir schon 24 Stunden hier in Tokyo.
Nachdem der surreale Eindruck, den die Reise um den halben Erdball hinterlassen hat, verflogen ist, kann ich nur sagen: Wunderbar! Unser Berater sagte noch: Japan hasst man oder man liebt es. Momentan liebe ich es als komfortables Urlaubsland und genieße jede Minute.

Der Kulturschock ist auch bis jetzt - auch ohne die Sprache zu verstehen - nicht da. Ich denke eher, dass zum Beispiel die Spanier fremdartiger sind als die Tokyoter oder die Stadt zumindest. Hier klappt alles wie am Schnürchen. Als Tourist findet man überall verlässliche Angaben und kann sich einfach treiben lassen. Die Japaner selbst tangieren einen nicht weiter. Ein sehr dezentes Volk. Sehr nette Leute. Aber nicht in dem Sinne herzlich, wie es in Europa bedeutet, andere Menschen in eigene Rituale einzuschließen, vielleicht nicht so derb und authentisch. Vielleicht zu perfekt.

Wo die Japaner den Spaniern wieder ähnlicher werden und sich besonders stark von den Deutschen unterscheiden ist wohl die Art, sich zu vergnügen. Überall der bunte Trash. Globaltrash wohl leider - kann es sein, dass es ein Kulturgut wie die bellenden kleinen elektrischen Stofftiere tatsächlich auf der ganzen Welt zu finden sind? Man muss auch wirklich nicht lange nach ihnen suchen, weder in Mannheim noch in Tokyo. Auch in Gruppen aufzutreten, Essen und Trinken sind Spaniern wie Japanern wohl besonders wichtig. Ausgehen zum Essen und Trinken macht hier aber wirklichauch sehr viel Spaß, kann aber auch schnell ins Geld gehen. Die Portionen sind auch immer sehr klein bemessen, so dass man manchmal einfach 2 Portionen bestellen könnte.... auf jeden Fall hatten viele den ganzen Tag Hunger. Und ich sammle weiter Material zu meiner Studie Spanien-Japan.

Die Stadt erscheint einem nicht wie eine Stadt wie wir sie kennen. Ich habe lange überlegt, was es sein könnte; heute fand ich es heraus: es gibt hier nicht das kleinste Graffiti - halt, doch ein kleines Tag habe ich gesehen. Während in anderen Städten der visuelle Machtkampf tobt bleibt hier der öffentliche Raum fest im kommerzieller Hand.

Heute besuchten wir den Schrein in Asakusa, eine wunderbare Kulisse bei herrlichem Wetter, gutgelaunte Menschenmengen, alle wild fotografierend. Souvenirs und Handwerk, Garküchen und Bratereien. Münzen werden von Gebeten begleitet in ein großes Sammelbecken geworfen, ein ständiges Klingeln des "Bling". Viele schöne Dinge, die ich meinen Lieben zu Hause mitbringen werde. Kleinigkeiten - hier gibt es die allerschönsten der Welt! Danach ging es die Circle Line herum zum U-Bahn fahren üben (ich kann jetzt schon alleine einen Fahrschein kaufen und dann in der richtigen Richtung losfahren) nach Shinjuku auf das hohe Rat-hoch-haus den schimmernden Sonnenstrahlenauf den Dächern zuschauen. Abends in Ebisu, einem Trendy Stadtteil zum Essen. Schön, musste aber leider viel zu sparsam sein, das wird oft ein wenig krampfig. Aber wir haben alle wenig Geld, da leidet man gemeinsam. (Obwohl die Preise hier bestimmt für so eine große Stadt sehr moderat sind. Manches ist sogar sehr viel billiger als in Europa. Bier im Lokal umgerechnet etwa 3, 50 Euro.

Morgen gehts auf den Flohmarkt, dann in die Gegend von Akihabara "Electric City". Mom, send me money.
Also bis jetzt kann ich nur Gutes für einen Urlaub hier berichten und bin begeistert.




Bilder von Hardy





Blick aus dem Hotel, Tempel und die ewige Filmerei, ganz schön anstrengend.